Packungsfixum
Apotheken erhalten einen Fixbetrag, wenn Sie einem Patienten ein verschriebenes Arzneimittel herausreichen
Was ist ein Packungsfixum?
Für jede verschreibungspflichtige Medikamenten-Packung erhält die Apotheke einen festen Betrag als Bezahlung für ihre Arbeit. Dazu gehören zum Beispiel die Prüfung des Rezepts, die Beratung und die sichere Abgabe des Arzneimittels. Der Betrag ist gesetzlich festgelegt und immer gleich, ganz gleich wie teuer das Arzneimittel ist. Die Apotheka hat auch einen Gewinn an dem Arzneimittel selbst, aber der ist so gering, dass davon die laufenden Kosten nicht zu bezahlen sind.
Ich hatte noch nie vom Packungsfixum gehört, bis die Apotheken sich öffentlich über die zu geringe Summe beschwert haben. In den 80iger Jahren galt der Apotheker als Gutverdiener. Die Bedarfsprüfung wurde zwar 1958 abgeschafft, aber die Rentabilitätsprüfung hat sicherlich so manchen Apotheker daran gehindert eine eigene Apotheke zu eröffnen obwohl es lukrativ war. Denn mit etwa 29 Apotheken auf 100.000 Einwohner in Westdeutschland, gab es eine hohe Apothekendichte. Das hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre gewandelt. Jetzt sind wir bei ca. 20 Apotheken pro 100.000 Einwohner, wobei der ländliche Raum deutlich schlechter versorgt ist. In nackten Zahlen klingt das so: 2024 gab es 17041 Apotheken und 2025 gab es 16601 Apotheken. (Quelle). Nun ist es anscheinend vorbei mit der Rentabilität. Eine Apotheke zu führen ist heute aufgrund der gestiegenen Kosten und der verstärkten Bürokratie deutlich weniger lukrativ. Vermutlich spielt auch der Zeitgeist eine Rolle, der Selbstständigkeit als anstrengend und wenig lohnend empfindet.
Das Packungsfixum wurde 2013 das letzte Mal angehoben. Das ist so ähnlich, als hätten wir den Mindestlohn 2013 eingefroren. Da verstehe ich durchaus den Unmut der Apotheken. Die Löhne und Energiekosten steigen rasant, aber die Haupteinnahmequelle erhöht sich nicht und kann auch durch eigenes Zutun nicht angehoben werden.
Und warum zahlen wir ein Packungsfixum?
Das Packungsfixum wurde eingeführt, um eine Versorgungssicherheit für alle Menschen zu gewährleisten. Die Apothekerin hat keinen Einfluss auf den Abgabepreis für ein verschreibungspflichtiges Medikament. Somit verdient sie automatisch an einem teuren Medikament mehr als an einem Günstigen. Aufgrund es Packungsfixum kann die Apothekerin ohne wirtschaftlichen Druck beraten und ist nicht auf den Gewinn durch den Verkauf angewiesen. Es soll auch Apotheken in ländlichen Räumen die Sicherheit geben, existieren zu können. Denn während im städtischen Raum eine Apotheke sich auch durch Verkäufe von Verbandmaterial, Kosmetik oder Tierarzneimitteln erhalten kann, ist der Absatz von sonstigen Leistungen im ländlichen Raum deutlich geringer.
Wer zahlt das Packungsfixum?
Im Grunde zahlen wir es alle – wenn wir Beiträge in die Krankenversicherung einzahlen. Von unseren Beiträgen werden die abgegebenen Medikamente plus Packungsfixum getragen. Auch privat Versicherte zahlen das Packungsfixum. Deswegen kann es vorkommen, dass der Einzelpreis eines verschreibungspflichtigen Medikaments unter dem Preis liegt, den man in der Apotheke dafür berappen muss. Und darum hat man normalerweise auch keine Preise auf den Arzneimittelpackungen. Das würde ständig zu Diskussionen führen.
Am Ende der Diskussion haben die Apotheken eine Erhöhung in zwei Stufen erreicht. Mich würden die tatsächlichen Zahlen interessieren. Wie viel verdient eine Apotheke ohne das Packungsfixum? Also wie viel Prozent sind das? Hat eine Apotheke das wirklich nötig? Im ländlichen Raum kann ich mir das sehr gut vorstellen. Die Apotheker sind nicht mehr diejenigen mit den größten Autos oder anderen Statussymbolen. Aber war das nun Jammern auf hohem Niveau? Gleichzeitig sollte man berücksichtigen, dass eine Apothekerin ein langes und wirklich hartes Studium durchläuft. Sie kann unter bestimmten Bedingungen sogar verantwortlich für das Versagen von Medikamenten gemacht werden. Dieser Aufwand und das Risiko sollten belohnt werden. Und gleichzeitig fühlt sich das wenig frei an. Wer darauf angewiesen ist vom Staat bezahlt zu werden, kann leicht zum Lakai werden.
Auch das wird zum Apothekensterben beitragen. Wer in ihrem eigenen Betrieb quasi unselbständig ist, die kann besser gleich in ein Anstellungsverhältnis gehen. Und da werden viele Apothekerinnen benötigt. Sichere monatliche Bezahlung, kein Risiko und Aufstiegschancen fühlen sich besser an. Da stellt sich am Schluss nur noch die Frage:
Brauchen wir noch selbstständige Apotheken?
Die Abgabe von Medikamenten soll sicher sein. Sie soll bezahlbar sein. Sie soll mit einer Beratung einhergehen. Wenn eine Person das in Selbstständigkeit macht, ist es effektiv und kostengünstig. Es gab in der Vergangenheit sicherlich verschiedene Probleme bei der Abgabe, die zu neuen Regulierungen und manchmal auch Gesetzen geführt haben. Das Ergebnis ist die hohe Bürokratie, die versucht jedes Risiko zu regeln. Und die Folge davon ist, dass sich die selbständige Apotheke entweder irgendwann nicht mehr lohnt. Oder, dass die Apothekerinnen sich mehr auf lukrative Geschäfte konzentrieren und die Hauptaufgabe – das sichere Herausgeben von verschreibungspflichtigen Medikamenten – vernachlässigen.
Was denkt ihr über die Kostenstruktur in der Apotheke?