Sind wir schon vernetzt?

Ich frage mich gerade, ob ich eine digitale Schleife erzeuge, wenn ich im blog auf meiner Webseite über LinkedIn schreibe und dann den Beitrag auf LinkedIn teile. Es gibt einem einen Hauch von „Matrix„, wenn man sich selbst im Internet verlinkt. Vielleicht ist es auch nur eine unterschwellige Form von Paranoia, die durch den digitalen Wandel entstanden ist. Wir sind (noch) nicht im Szenario „Ready Player One“ angekommen, obwohl ich persönlich, dass für eine sehr wahrscheinliche Zukunft halte. Jedenfalls deutlich wahrscheinlicher als die klassische Star Treck Zukunft, die uns tatsächlich in einigen technischen Möglichkeiten erreicht hat.

Muss man vernetzt sein?

Es kann jeder frei entscheiden, wie vernetzt es sein soll. Im beruflichen Leben kann ein gutes Netz nicht nur den Spaß an der Arbeit erhöhen, sondern ganz banal mehr Euros in die Kasse spülen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und Vernetzung ist einfach ein Teil des Alltags. Oft genug denkt man nicht darüber nach, dass man mit dem grummeligen Nachbarn, den man nur aus Höflichkeit grüßt, auch vernetzt ist. In den meisten Fällen spricht man von einem sozialen oder beruflichen Netz dann, wenn man von der Person einen Vorteil hat oder haben könnte. Wenn ich den Begriff weiter fasse, dann können Geräte, Firmen oder Organisationen auch vernetzt sein. Es ist fast unmöglich nicht vernetzt zu sein.

Wie hat sich der Eintritt in ein Netzwerk seit der Öffnung des Internet verändert?

Bevor es das Internet gab, musste man auf Veranstaltungen oder Messen gehen, um Menschen und Firmen zu finden, mit denen man sich vernetzen wollte. Die guten alten Gelben Seiten der Post waren so wichtig, dass sie weitergereicht wurden, damit man den passenden Vernetzungspartner findet. Menschen haben sich in Vereinen getroffen, um sich auszutauschen. Familienfeiern und Geburtstage waren wichtige Feiern, weil man so sein soziales Netz gepflegt hat. Dann kam die E-Mail, die sich so anfühlte als sei der Postbrief schneller geworden. Und wie die Internetleitung schneller wurde konnte man sogar Bilder anhängen. YouTube, Facebook und Messenger übernahmen dann unter dem Schlagwort Social Media das soziale Netzwerk. Wenn man sich vor 30 Jahren noch körperlich aus dem Haus bewegen musste, um sein Netzwerk zu pflegen oder zu erweitern, war es auf einmal von zu Hause aus möglich. Und wo man vorher – vor allem im ländlichen Raum – nur den Sportverein und den Schützenverein zur Auswahl hatte, war es jetzt möglich dem Verein zur Verzögerung der Zeit e.V. oder der Deutsche Organisation nicht-kommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D.) beizutreten. Aufgrund der verbesserten Technik kann man heute sein Netzwerk rein virtuell mit Hilfe der Videotelefonie pflegen.

Was macht das mit meinem beruflichen Netzwerk?

Die digitalen Möglichkeiten zu netzwerken, sparen mir vor allem Zeit. Und sie erweitern meine Möglichkeiten. Auf LinkedIn finde ich schnell und zielgerichtet passende Partner, wenn ich „Social Media“ mache. Wenn ich also mich und mein Unternehmen regelmäßig präsentiere bzw. ins Gespräch bringe, dann findet sich wie auf einer guten Messe unter den ganzen Besuchern auch der passende Partner. Was danach folgt, ist immer noch wie früher, nur schneller. Ich bekomme oder versende Informationen. Es wird ein Gespräch ausgemacht und wenn alles gut läuft, wächst das Netzwerk. Ich finde diese Möglichkeiten nicht nur beeindruckend, ich nutze sie auch gerne. Sie haben aber die altmodischen Varianten wie die Messe zum Beispiel nicht ersetzt – jedenfalls noch nicht.

Bin ich jetzt Influencer?

Die Frage stelle ich mir regelmäßig. Wie jede gute Werbung, muss auch mein Auftritt in den sozialen Medien ständig präsent sein. Da hopse ich dann mit meinem Handy durch die nächste Veranstaltung und suche einen guten Fotospot. Es fehlt nur noch, dass ich einen Handy-Stick habe, damit die Selfies professioneller werden. Seitdem habe ich sehr viel mehr Respekt vor den richtigen Influencern.