Jetzt wird es ernst. Ab dem 30.06.26 sind selbst kleinste Unternehmen dazu verpflichtet, sich mit der EUDR, der Entwaldungsverordnung, auseinanderzusetzen. Wie immer sieht das Gesetz so unglaublich kompliziert aus, dass man eine Schulung machen muss, um es umsetzen zu können. Ich verstehe bis heute nicht, warum es verständliche Erläuterungen zu einem Gesetz gibt, aber Gesetze unverständlich formuliert sind. Und es beruhigt mich auch wenig, dass bereits im 19. Jahrhundert versucht wurde das Behördendeutsch in eine verständliche Sprache zu übersetzen.

Zurück zur EUDR! Die Entwaldungsverordnung ist eines der vielen Bürokratiemonster, die aus einem guten Gedanken heraus entstanden sind, aber in der Umsetzung einen unzumutbaren Bürokratieaufwand erzeugen. Im Grund soll die Verordnung dabei helfen unseren Planeten zu schützen und die Ausbeutung anderer Länder verhindern. Somit muss jetzt jedes Produkt, dass in der EUDR aufgeführt ist, eine eigene Referenznummer erhalten. Es sind auf den ersten Blick nur relativ wenig Produkte. Es geht um Rinder (betrifft nicht die Milchprodukte), Holz, Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja und Kautschuk. Wenn man aber darüber nachdenkt, wo diese Produkte verarbeitet werden, dann wird einem schwindelig. Und manchmal weiß man nicht einmal, ob eines der Produkte mit verarbeitet wurde. Das bedeutet, dass ich jeden meiner Lieferanten abfragen muss, ob ich für irgendein Produkt diese Nummer brauche.

Wir als Großhändler müssen uns hauptsächlich mit dem Holz beschäftigen. Für den Versand brauchen wir Kartonage. Für den Lieferschein braucht es Papier. Und beim Palettenversand geht es um Holz. Und weil es mal wieder ein Gesetz mit einer Formulierung ist, die niemand versteht, habe ich die KI befragt. Die Antwort ist einfach, auch wenn sie mir nicht gefällt. Der Karton als Handelsware braucht die DDS-Registrierungsnummer. Der Versandkarton braucht es nicht. Somit muss ich beim Einkauf von Kartons für den Versand mir die DDS-Registrierungsnummer geben lassen, aber meine Kunden brauchen diese Nummer nicht. Und dann muss diese Nummer fünf Jahre lang aufgehoben werden.

Es gibt keine Vorgabe darüber, wie und wo die Nummer aufbewahrt werden muss. Somit wäre es für mich ideal, wenn meine Lieferanten die zugehörige DDS-Nummer auf den Lieferschein drucken. Den scanne ich den Lieferschein ein und ’schwupp‘ kann ich meine Nachweise führen. Und im Verkauf? Für meine Wiederverkäufer, wie den Tierarzt, gilt das Gleiche. Da wird es für mich umständlicher. Die meisten Produkte brauchen die DDS-Nummer nicht, somit lohnt es sich nicht, mein Warenwirtschaftsprogramm so ändern zu lassen, dass die DDS mit aufgedruckt wird. Ich werde also diesen Bürokratie-Wahnsinn so lösen, wie er oft gelöst wird, händisch, quasi analog.

Ich frage mich zwei Dinge: Wird die Entwaldungsverordnung irgendwas auf der Welt verbessern? Und ich frage mich: Ist diese Änderung den Aufwand wert?

Ich erinnere mich an das Verbot der Glühbirne in Deutschland. Damals sind unzählige Menschen in meiner Umgebung nach Polen gefahren und haben sich mit den alten Glühbirnen eingedeckt. Monatelang wurde über das Verbot gelästert. Und heute? Durch das Verbot wurde die Produktion von LED attraktiv. Unsere ersten LED-Lampen machten kaum mehr Licht als eine Kerze und waren unglaublich teuer. Heute gibt es wunderschöne Designerleuchtmittel mit LED. Auch ich habe mich damals über das Verbot geärgert. Heute freue ich mich, das Licht in meinem Wohnzimmer mal weiß, mal grün und mal pink strahlen zu lassen, je nach Stimmung.

Wie sieht es bei euch aus? Schon was von der EUDR gehört?